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Alles ist möglich!

Ja, und das Schöne an unserer an sich nicht gerade beneidenswerten Lage als Diabetiker ist, dass wir trotz allem nicht wie beim Lotto auf Fortuna alleine angewiesen sind, sondern unser Glück selbst herbeiführen können.

Ich traue mir das zu sagen, weil ich es selbst erleben durfte.

Wir sitzen im selben Boot, ich bin einer von Ihnen.
Seit mehr als zwanzig Jahren bin ich Typ-2-Diabetiker. Ich habe mich nach einer Vielzahl an Bemühungen, auch unter Verwendung der unterschiedlichsten pharmazeutischen Präparate und den guten, aber leider auch nicht ausreichend ernst genommenen therapeutischen Ratschläge einer Reihe von Ärzten, schließlich vor zwei Jahren zu einem Langzeitzuckerwert (HbA1c) von 13,6 und 137 Kilogramm Körpergewicht hinaufgearbeitet.

Dann kam schließlich der Gang zur Diabetesambulanz der Krankenanstalt Rudolfstiftung Wien.
Ich erachtete dies als die wohl letzte Chance, nochmals einen Weg zu finden, nicht zum „Insulin-Junkie“ zu werden. Und ich habe diesen Weg gefunden. Nicht zuletzt dank der einfühlsamen und kompetenten Betreuung durch die behandelnde Ärztin.

Heute bin ich auf einem HbA1c von 6,7 und brauche nur noch Metformin, nachdem ich vor zwei Jahren mit den Höchstdosierungen eines Sylfonylharnstoffes, eines Inkretinmimetikums und eben des Metformins begonnen hatte, diesen neuen Weg zu beschreiten.

Und ich bin nun auch um knapp 40 Kilo leichter.

Nebenbei bemerkt, hat sich mein Blutdruck weitgehend normalisiert und der bereits vergrößerte Herzmuskel hat sich wieder zurückgebildet. Mein Herz ist praktisch nicht mehr insuffizient und ich brauche von den drei ursprünglich notwendigen Präparaten für das Herz-Kreislauf-System keines mehr.

Derartiges, so schwierig es auf den ersten Blick auch klingen mag, kann jeder Typ-2-Diabetiker erreichen, dem es nicht wesentlich schlechter geht als mir vor zwei Jahren.

Vielleicht ist mein Weg auch für Sie eine Richtschnur zu einem neu gewonnenen Körpergefühl, zu einem erheblich verbesserten Gesundheitszustand und vor allem zu neuer Lebensqualität.

Den ersten Schritt haben Sie schon gemacht, Sie sind sich Ihres Problems bewusst, haben diese Seite gefunden und wollen sich näher informieren.

Egal wie Ihre persönliche Situation auch sein mag, grundlegend unterscheidet sie sich von der meinen nicht. Unsere Körper sind zu mehr als 99,9 Prozent genetisch gleich und reagieren daher auch auf gleiche Behandlung einigermaßen gleich.

Auch den zweiten Schritt werden die meisten von Ihnen schon getan haben. Sie haben sich in die Obhut eines niedergelassenen Spezialisten oder einer Diabetesambulanz begeben. Das brauchen wir, und nicht nur wegen der Medikamente, die wir benötigen.

Wir brauchen in unserem Kampf gegen die Krankheit Partner, um nicht zu sagen „Kampfgefährten“. Und wer könnte dafür besser geeignet sein als die, die unsere Situation kennen und auch das fachliche Know-how haben, unsere Gesundheitslage mit den besten medizinischen Mitteln zu unterstützen, unsere Ärztin oder unser Arzt. Sie oder er ist ihr CopilotIn bei der Ralley Ihres Lebens. Stellen Sie sich nur vor, Sie sind auf einer Bergetappe mit 100 Sachen unterwegs. Ihr Beifahrer sagt Ihnen den Weg an. Ihnen reicht einmal die „Bevormundung“, Sie pfeifen drauf, als er eine 90-Grad-Kurve ansagt und fahren geradeaus weiter ...
Bei der Therapie unserer Krankheit kann es ähnliche Folgen haben, wenn wir erprobte Vorschläge links liegen lassen.

Unsere Gegner sind vielfältig und mächtig. Sie schlummern vor allem in uns selbst. Es sind unsere Gewohnheiten, Phasen der mentalen Schwäche und vor allem der „innere Schweinehund“, der uns immer wieder „ermutigt“, unsere liebgewonnenen Gewohnheiten beizubehalten. Sei es was unser Essverhalten anbelangt, sei es was den täglichen Bewegungs- oder besser gesagt Bequemlichkeitsablauf des Tages betrifft.

Gewohnheiten, die uns Genuss verschafft haben und die uns unser Körper jahrelang verziehen hat, die nun aber ihren Tribut fordern. Davon Abschied zu nehmen ist nicht leicht und kann nur unter Aufbietung unseres festen Willens geschehen. Und auch der braucht Unterstützung, soll er fest bleiben und letzten Endes zum Ziel führen. Das geht, wenn man sich selbst motivieren kann.

Als erstes habe ich mir ein Ziel gesetzt. Ein höchst persönliches und eines, für das es sich wirklich lohnte, mit aller Kraft zu kämpfen. Es ist nicht ein Ziel, das unmittelbar die Vorgaben zur Ernährung und Bewegung beinhaltet, es steht weit darüber. Ein „Meta-Ziel“ gewissermaßen, das aber nur über vordergründige Etappenziele, z. B. die die Abnahme einer erklecklichen Anzahl an Kilos von Körperfett, zu erreichen ist.

Auch wenn es in weiter Ferne liegt, jeder Teilerfolg bringt mich aber einen Schritt näher. Und wenn mich meine Ärztin vor zwei Jahren bei der Nennung dieses Zieles für verrückt erklärt hätte, heute, nachdem ich wieder in die Figur jüngerer Jahre hineinwachse, würde ihr Urteil gewiss milder ausfallen.

Ich bringe die Ärztin der Diabetesambulanz hier bewusst ins Spiel, weil ich es ohne sie gewiss nicht geschafft hätte, die 40 Kilogramm abzunehmen und den HbA1c auf das vernünftige Niveau zu drücken. Durch die engmaschige Überprüfung meines Fortschrittes – ich musste alle paar Wochen zur Blutzucker- und Gewichtskontrolle – hatte ich eine wesentlich stärkere Motivation, standhaft zu bleiben und dem „Schweinhund“ Paroli zu bieten. Ich konnte sie ja unmöglich enttäuschen, nachdem sie sich so um meine Therapie bemühte.

Denn eines müssen wir auch bedenken: Nicht nur wir brauchen den Arzt, der Arzt braucht auch uns! Unser Therapieerfolg ist seine Motivation. Und diesen Erfolg gibt es gerade bei unserer Krankheit nur, wenn wir selbst mit aller Kraft daran mitarbeiten. Wir stehen also hier auch in der Verantwortung nicht unserer eigenen Zukunft, sondern auch unserem Arzt gegenüber.

Natürlich brauchen wir auch zwischen den Arztbesuchen Kontrolle, sonst kann alles sehr schnell wieder aus dem Ruder laufen. Kontrolle durch uns selbst.

Und da ist die Dokumentation ein wichtiges Instrument. Wenn ich peinlich genau Buch führe, kann ich auch augenblicklich eingreifen, sollten sich „unerwünschte Entwicklungen“ ergeben. Das Diabetestagebuch mit den täglichen Blutzuckermessungen ist sehr hilfreich. Ich habe es für mich noch ergänzt um meine gezielt eingesetzten täglichen Bewegungseinheiten und dem „Gutachten“ der Badezimmerwaage. Da hole ich mir die „kleinen“ Erfolgserlebnisse. Und sollten die gemessenen Werte nicht passen, schiebe ich einfach noch eine halbe Stunde Bewegung ein. Das drückt den Zuckerwert gleich wieder um 20 bis 40 mg/dl und hilft natürlich auch beim Abnehmen.

Sehr motivierend ist für mich auch die „Fit-App“, die ich mir aufs Handy geladen habe. Sie zählt die Schritte und berechnet die zurückgelegte Strecke und verbrauchten Kalorien. Das hat zur Folge, dass ich versuche, jeden Tag zumindest genau so viel zu tun wie am Vortag und weniger Kalorien zuzuführen als ich verbrauche. Und das führt automatisch zu dem, was uns die Therapeuten immer schon geraten haben: Wege zu Fuß erledigen, Stiegen steigen statt Aufzug fahren und lieber Umwege als Abkürzungen zu nehmen. So habe ich mein tägliches Bewegungspensum von einem mühevollen zusammengestotterten Kilometer auf lockere sechs bis acht gesteigert. Und es macht Spaß – jeden Tag ein neues Erfolgserlebnis und neue Motivation! Das einzige, was dabei deutlich weniger wurde, war mein Körperfett. Und zwar um vierzig Kilogramm.

Und wie ist es mit dem „Frust“, weil man vieles nicht mehr essen darf, was so gut schmeckt?
Den lass ich gar nicht erst aufkommen. Wenn mir danach ist, „belohne“ ich mich. Und zwar doppelt! Natürlich habe ich auch Lust auf Süßes. Kein Problem, wenn ich nach der Belohnung meiner Psyche mit einer kleinen Süßspeise (vornehmlich mit einem Zuckeraustauschstoff) auch noch meinen Körper belohne. Mit einer halben Stunde auf dem „Hometrainer“ oder eben einer raschen Runde zu Fuß durch die Straßen der Stadt. So hält sich nicht nur der „Schaden“ in Grenzen, ich fühle mich auch noch zufrieden mit der zusätzlich geleisteten Bewegungseinheit.

Und, was ganz wesentlich ist, habe ich dabei das Gefühl, mein Schicksal aktiv zu gestalten. Ganz anders als es früher war, wo ich unter einer passiven Rolle litt. Unter dem ständigen Gefühl, ein Knecht meiner Krankheit zu sein, der ständig von Geboten getrieben wurde und vor dem sich immer wieder Hürden von Verboten auftaten, wenn es darum ging, sein Leben zu gestalten.

Das ist heute anders, ich bestimme wieder über mich selbst, ich weiß, dass jeder scheinbare Verzicht in Wahrheit langfristig ein Gewinn für mich und mein Leben ist. Etwas, das man schon nach wenigen Wochen fühlt. Energie und Tatendrang kehren zurück, Das Leben macht wieder viel mehr Spaß.

Und, was auch ganz wesentlich für den weiteren Fortschritt meines höchst persönlichen „Wellnessprogrammes“ ist, ich genieße das positive „Feedback“, die offene Anerkennung meines Umfeldes für meine Bemühungen und Erfolge. Für die positive Veränderung, die ich mit meinem Körper mit Hilfe meiner Ärztin bewerkstelligen konnte.

Das werden Sie auch erleben, tun Sie sich was Gutes, arbeiten Sie an sich, für ein neues Körpergefühl, für neue Lebensfreude.

Viel Glück und Erfolg dabei

wünscht Ihnen Ihr
(fast nicht mehr) Leidensgenosse

Walter Tributsch*

*Ich halte ab Dezember 2016 im Rehabilitationszentrum Alland (NÖ) „Workshops“ zur erfolgreichen Gestaltung des Lebensstils für Typ-2-Diabetes-Patienten ab.

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