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Weltdiabetestag 2008

Weltdiabetestag 2008

Katastrophales Zeugnis zum Weltdiabetestag:

Österreich bei Diabetes Folgeschäden europaweit am letzten Platz

Angesichts des akuten Handlungsbedarfs zur beschämenden Versorgungslage fordert die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) die Aufnahme der Diabetesversorgung in das Regierungsprogramm.

Europaweit liegt Österreich am – vom Health Consumer Powerhouse als "katastrophal" bezeichneten – 12. Gesamtplatz des Euro Consumer Diabetes Index. Doch es geht noch schlimmer: Bei den erhobenen Folgeschäden befindet sich Österreich am letzten Platz. Folgeschäden heißen: Tod durch Diabetes, Nierenversagen und Fußamputation. Auch bei der Anzahl der gut eingestellten Diabetiker schneidet Österreich schlecht ab.

Der Euro Consumer Diabetes Index vergleicht Behandlungssysteme in ganz Europa aus der Perspektive von Patienten und wurde Ende September 2008 veröffentlicht. Insgesamt erreichte Österreich die Gesamtpunkteanzahl von 711 von 1.000 möglichen Punkten, gemessen in fünf Kategorien, die 26 Leistungskategorien abdecken. Dänemark führt den Index an, gefolgt von Großbritannien und Frankreich.

Strukturelle Mängel

Die ÖDG hatte in letzter Zeit wiederholt auf strukturelle Mängel aufmerksam gemacht. In einer internationalen Studie wurden diese nun bestätigt. Der Euro Consumer Diabetes Index attestiert Österreich schwere Versäumnisse bei der Ver-sorgung der Diabetiker und reiht Österreich gemeinsam mit Zypern und Malta auf den letzten Platz innerhalb der EU. Diese alarmierende Tatsache nimmt die ÖDG am Weltdiabetestag, den 14. November 2008, zum Anlass, ihre Anliegen hinsichtlich einer Verbesserung der Diabetikerversorgung in Österreich den mit der Bildung einer Regierung betrauten Politikern eindringlich vorzutragen.

Zirka 500.000 Menschen leiden in Österreich an Diabetes mellitus, davon über 90% an Typ 2 Diabetes, der zumeist mit einer Erhöhung von Blutfetten und Blutdruck sowie einer Stammfettsucht einhergeht. Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen und Erblindung sind oft Folgen einer schlechten Stoffwechselbehandlung. Diese Komplikationen können jedoch durch eine konsequente Therapie vermieden werden. Die Behandlung dieser lebensbedrohlichen Erkrankung, die immer mehr Österreicher betrifft, erfordert hohes Fachwissen sowie die Bereitschaft zur interdisziplinären Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen wie Ärzte, Diätologen und Angehörige der Pflegeberufe.

Notwendige Maßnahmen

Für die Verbesserung der derzeit absolut unbefriedigenden Situation sind folgende Maßnahmen unbedingt notwendig:

1. Prävention des Diabetes mellitus Typ 2

  • Konsequentes Diabetes-Screening von Hochrisikopopulationen
  • Routinemäßige Durchführung des oralen Glukosetoleranztests in der Schwangerschaft
  • Bundesweite Strategien zur Bekämpfung von Übergewicht im Kindes- und Jugendalter mit Einbeziehung der Schulärzte und Schulen
  • Aufbau und Finanzierung von Einrichtungen zur qualitätsgesicherten Behandlung von Adipositas im Sinne einer Ernährungs- und Lebensstilintervention

2. Verbesserung der Betreuungsstruktur

  • Forcierter bundesweiter Ausbau des Disease Management Programms „Therapie Aktiv“
  • Sicherstellung einer flächendeckenden Versorgung durch Spezialisten durch Ausbau und strukturelle Verbesserung von Diabetesambulanzen, Schaffung von Kassenstellen für niedergelassenen Internisten mit Zusatzfach Endokrinologie und Stoffwechsel, Etablierung von internistischen Abteilungen mit Schwerpunkt Endokrinologie und Stoffwechsel

3. Erstellung eines Diabetesregisters

  • Österreichweite Erfassung der Patienten mit Diabetes mellitus in anonymisierter Form zur Erhebung der Prävalenz, Einstellungsqualität und Komplikationen als Instrument zur Verbesserung der Versorgungssituation

4. Medizinische Versorgung

  • Erleichterter und rascher Zugang zu innovativen Medikamenten mit erwiesenen Vorteilen gegenüber etablierten Substanzen sowie zu Medizinprodukten zur Selbstkontrolle

5. Forschungsförderung

  • Finanzierung unabhängiger klinischer sowie Grundlagenforschung zur Prävention und Behandlung des Diabetes mellitus

Die Österreichische Diabetes Gesellschaft fordert daher die mit der Bildung der Regierung befassten Politiker auf, diese absolut notwendigen Maßnahmen in das Regierungsprogramm aufzunehmen und sich des Themas Diabetesversorgung verstärkt anzunehmen.

O-Töne (MP3) zum Anhören/Download:

Ludvik über "Therapie-Aktiv" (1,126.53 Kb) Ludvik über die Forderungen an die Regierung (1,699.18 Kb) Probst über Diabetes als Krankheit der Wohlstandswelt (1,341.63 Kb) Probst über die Wichtigkeit von "Therapie-Aktiv" (1,929.39 Kb) Probst über mehr Transparenz im Gesundheitssystem (751.84 Kb) Jachimowitz über die Problematik bei Diabetes (1,020.00 Kb)

Weltdiabetestag 2008
v.l.n.r.: MR. Dr. Norbert Jachimowitz (Stellvertretender Kurienobmann der Kurie niedergelassene Ärzte Wien), Ao. Univ. Prof. Dr. Bernhard Ludvik (Präsident der ÖDG) und Dr. Josef Probst (stellvertretender Generaldirektor im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger)
Credits: Österreichische Diabetes Gesellschaft

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