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Die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) schlägt Alarm:

Kündigung des Disease Management Programms „Therapie aktiv“ durch die NÖ. Ärztekammer verhindert Verbesserung der Diabetesversorgung.

In Österreich leben ca. 600.000 DiabetikerInnen, von denen vermutlich 170.000 noch nichts von ihrer Krankheit wissen. Diese PatientInnen sind ohne kompetente Betreuung in hohem Maße gefährdet, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, bzw. zu erblinden oder dialysepflichtig zu werden. Die Behandlung des Diabetes, welche nicht nur die Blutzuckereinstellung, sondern auch die Therapie von Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen umfasst, ist sehr komplex und zeitaufwendig. So bedarf der Diabetiker einer strukturierten Schulung und sollte sich regelmäßigen Untersuchungen und Kontrollen unterziehen. Diese Versorgung ist derzeit in der Praxis des niedergelassenen Arztes für Allgemeinmedizin oder Innere Medizin ohne begleitende Unterstützung sehr schwer durchführbar. Aus diesem Grund wurde das Disease Management Programm (DMP) „Therapie aktiv“ entwickelt, um den ÄrztInnen ein kompetentes Netzwerk zur Betreuung ihrer DiabetikerInnen zur Verfügung zu stellen.

„Therapie aktiv“ wurde gemeinsam mit Vertretern des Ministeriums für Gesundheit, des Hauptverbands der Österreichischen Sozialversicherungen, der ÖDG, der Österreichischen Ärztekammer sowie anderer an der Diabetesbetreuung beteiligter Fachverbände entwickelt und mitgetragen. Die Österreich-weite Umsetzung wird mit großem persönlichem Aufwand durch Vertreter dieser Gruppen betrieben und erleidet durch die unverständliche Kündigung des Vertrags seitens der Nö. Ärztekammer eine wesentliche Behinderung.

Die vom Präsidenten der Nö. Ärztekammer Dr. Christoph Reisner angegebenen Gründe für diese Kündigung sind in keiner Weise nachvollziehbar und entbehren jeder fachlichen Grundlage. Es handelt sich bei diesem Modell keineswegs – wie in der Aussendung der Nö. Ärztekammer behauptet - um eine Zerstückelung von Einzelfächern, sondern ganz im Gegenteil um ein umfassendes Betreuungsmodell. Es geht hier nicht um die Förderung eines Spezialistentums, sondern um eine strukturierte Diabetikerbetreuung im Rahmen der Grundversorgung, wie sie derzeit auf Grund der herrschenden Gegebenheiten nicht möglich ist. Das DMP entmündigt in keiner Weise die behandelnden Ärzte, sondern bietet ihnen eine Hilfestellung bei der komplexen Betreuung ihrer PatientInnen. Zudem fördert es die Eigenverantwortlichkeit der PatientInnen, welche in die Vorgabe von Zielvereinbarungen eingebunden sind. Der angesprochene Administrationsaufwand ist jedoch für die Qualitätskontrolle und Messung der Ergebnisqualität unabdingbar und stellt auch neben der Schulung die Basis für die Honorierung dar. Keineswegs kann der Wegfall des DMP von seinem Konzept her durch eine Adaptierung von Leistungspositionen aufgewogen werden.

Die ÖDG hat zudem keine Kenntnis von Daten zur behaupteten guten Betreuungsqualität der DiabetikerInnen in Niederösterreich im derzeitigen System. Bekannt ist aber der erschwerte Zugang von DiabetikerInnen zu Diabetesambulanzen, bei deren Anzahl Niederösterreich bundesweit auf dem letzen Platz liegt. Hier ist sicherlich noch Raum für Verbesserungen, die sich durch die Etablierung des DMP „Therapie aktiv“ ergeben würden.

Die ÖDG als wissenschaftliche Fachgesellschaft der Diabetes-ExpertInnen sieht sich als Anwältin der DiabetikerInnen in Österreich und wertet eine derartig unqualifiziert argumentierte Kündigung eines von allen an der Diabetesbetreuung beteiligten Gruppen mitgetragenen Programms als schweren Rückschlag für die Verbesserung der Versorgung der DiabetikerInnen in Niederösterreich. Wir fordern daher die NÖ. Ärztekammer auf, diese unverständliche Entscheidung zu revidieren und im Sinne der PatientInnen – so wie die anderen Ärztekammern – konstruktiv an der Etablierung des DMP „Therapie aktiv“ mitzuarbeiten.

Für die ÖDG
Ao. Univ. Prof. Dr. Bernhard Ludvik
(Präsident der ÖDG)

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