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Wenn Kinder Insulin brauchen – Die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) informiert über die Versorgungssituation von Kindern mit Diabetes

(Wien, am 19.12.2012) - Die Vorweihnachtszeit verführt mit allerlei Leckereien zur Schlemmerei. Maßvolles Essen ist da bereits für Gesunde schwierig, für Kinder, die an Diabetes leiden, ist es eine pure Notwendigkeit, nicht nur zu den Festtagen. Eine kontrollierte Nahrungszufuhr in Kombination mit einer entsprechenden Insulintherapie begleitet von Diabetes betroffene Kinder ein Leben lang. Die ÖDG unterstreicht die Notwendigkeit von geschulten Betreuungspersonen und geeigneten Versorgungsstrukturen in Kindergarten und Schule, denn diese tragen wesentlich zur Therapiesicherheit bei und erleichtern den Lebensalltag der betroffenen Kinder. In Österreich erhalten junge Diabetiker die beste verfügbare medizinische Therapie, bei den Rahmenbedingungen sind allerdings noch einige Verbesserungen möglich. Dies betont die Österreichische Arbeitsgruppe für Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie (APEDÖ, eine Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde – ÖGKJ) und fordert Rehabilitationsplätze für die betroffenen Kinder.

Diabetes bei Kindern

Von den zwei bekanntesten Formen des Diabetes (Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2) verbreitet sich unter Kindern und Jugendlichen vor allem der Diabetes mellitus Typ 1 (DMT1, „insulinabhängiger Diabetes“) rasant. Jedes Jahr erkranken in Österreich rund 300 Kinder und Jugendliche an DMT1. Die Zahlen haben sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt, wobei immer jüngere Kinder – sogar Kleinkinder unter 5 Jahren – davon betroffen sind (Schober et al., J. Pediatr. 2009). Mehr als 95 Prozent der Kinder mit Diabetes mellitus haben einen DMT1. Die Zahl der Neuerkrankungen von Kindern an Diabetes mellitus Typ 2 (DMT2, „Altersdiabetes“) blieb hingegen – trotz Zunahme von übergewichtigen Kindern – nahezu konstant.

Diabetes mellitus in Kindergarten und Schule

Von Diabetes mellitus Typ 1 betroffene Kinder müssen mehrmals am Tag ihren Blutzucker messen, den Kohlehydratgehalt des Essens berechnen und eine entsprechende Menge an Insulin verabreichen. Die meisten dieser Kinder verwenden eine Insulinpumpe oder einen Insulin-Pen. Je nach Alter benötigen diese Kinder bei der Verabreichung des Insulins Unterstützung durch Erwachsene. Zu Hause wird den Kindern durch Familienmitglieder geholfen, in Kindergarten und Schule sind sie auf Betreuungspersonen angewiesen, die diese Aufgabe übernehmen. Aufgrund mangelnden Wissens über die Erkrankung, des zusätzlichen Betreuungsaufwands für die Pädagogen, aber auch wegen der ungeklärten Rechtslage bezüglich der Abgabe von Insulin, können viele Kindergärten und Schulen betroffene Kinder bei ihrer Therapie nicht entsprechend unterstützen. Die Verunsicherung von Betreuern und Lehrern führt mitunter sogar dazu, dass den betroffenen Kindern die Teilnahme an Schulveranstaltungen untersagt wird.

Multidisziplinäre Diabetes-Zentren und Schulungen durch Diabetes-Teams

Der dramatische Anstieg von Diabeteserkrankungen bei Kindern erfordert eine verbesserte Betreuung der betroffenen Kinder. Bereits jetzt organisieren Diabetes-Teams der verschiedenen Behandlungszentren in Schulen und Kindergärten Schulungen für die Betreuer von erkrankten Kindern. Für diese Tätigkeit muss es aber eindeutige Reglementierungen und eine ebensolche Finanzierung geben. „Aufgrund der Heterogenität der Betreuungseinrichtungen und der verschiedenen Zuständigkeiten – private Träger, Gemeinde, Länder, Bund – konnte in Österreich bisher keine einheitliche Vorgehensweise gefunden werden. Diese wäre aber für die Betreuung der betroffenen Kinder absolut notwendig“, appelliert Univ.-Prof. Dr. Birgit Rami-Merhar von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Wien. Neben einer verbesserten Betreuung der betroffenen Kinder in Kindergarten und Schule müsste es in Österreich auch pädiatrische Zentren mit einer diabetologischen Spezialisierung und multidisziplinären Spezialistenteams (Kinderärzte, Diätologen, Diabetesberater, Psychologen und Sozialarbeiter) geben.

Bedarf an Kinderrehabilitationsplätzen

Eine weitere Verbesserung in der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus würde die Schaffung einer Diabetesrehabilitation darstellen. „Rehabilitationsplätze für Kinder und Jugendliche mit Diabetes würden eine wichtige aktive Präventionsmaßnahme zur Vermeidung von Diabetes-bedingten Spätkomplikationen wie Erblindung, Nierenversagen oder schwere Nervenstörungen darstellen, da die Krankheitseinsicht der Kinder verbessert, die metabolische Kontrolle optimiert und die Therapiesicherheit erhöht würden“, erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Burkhard Simma vom Landeskrankenhaus Feldkirch, Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde und Mitglied der ÖGKJ. Für Kinder unter 12 Jahren mit Diabetes mellitus Typ 1 empfiehlt die ÖGKJ außerdem eine familienorientierte Diabetesrehabilitation, bei der die Bezugsperson des erkrankten Kindes in der Rehabilitation mit einbezogen wird.

Diabetes-Camps für Kinder

In Österreich gibt es mehrere Diabetes-Camps, die von erkrankten Kindern genutzt werden, da es in Österreich für Kinder mit Diabetes noch keine Kur- oder Rehabilitationsmöglichkeiten gibt. Neben den sozial und psychologisch wichtigen gemeinsamen Freizeitaktivitäten mit gleichaltrigen Betroffenen bieten die Camps kindgerechte Diabetes-Schulungen, z. B. bezüglich richtiger Ernährung, Kohlehydratberechnung oder der Insulinanpassung beim Sport, abseits einer stationären Versorgung.

Über Diabetes mellitus

Der Diabetes mellitus Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, bei der körpereigene Abwehrstoffe die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstören. Das lebenswichtige Hormon muss somit von außen zugeführt werden, denn der Körper braucht Insulin, um Zucker aus der Blutbahn in die Körperzellen aufzunehmen. Kann der Zucker nicht von den Zellen aufgenommen werden, steigt die Zuckerkonzentration im Blut an. Im schlimmsten Fall kann dieser Insulinmangel zu einer schwerwiegenden Stoffwechselentgleisung führen – der diabetischen Ketoazidose. Dabei sammelt sich im Körper Keton, das ein Abfallprodukt der durch den Insulinmangel unzureichenden Fettverbrennung ist. Die Folge ist eine Übersäuerung des Körpers, deren Symptome z. B. eine beschleunigte Atmung, nach Azeton riechende Atemluft, Übelkeit und Erbrechen sind. Die Ketoazidose stellt eine akute Lebensbedrohung dar.

Der Diabetes mellitus Typ 2, als „Altersdiabetes“ bekannt, wird mittlerweile auch zunehmend bei übergewichtigen Jugendlichen diagnostiziert. Die Krankheit entsteht, wenn durch einen erhöhten Körperfettanteil die Körperzellen immer weniger auf das Insulin ansprechen. Anfangs versucht die Bauchspeicheldrüse diese Insulinresistenz der Körperzellen zu kompensieren, indem sie vermehrt Insulin produziert. Schließlich erschöpfen sich die insulinproduzierenden Betazellen aber und die Insulinproduktion versiegt, was die Blutzuckerwerte steigen lässt. Fettarme Ernährung und körperliche Betätigung können in der Frühphase der Erkrankung genügen, um die Blutzuckerwerte zu normalisieren. So kann der Einsatz von blutzuckersenkenden Tabletten oder Insulin lange Zeit entfallen.

Ziel einer Diabetestherapie ist es, eine möglichst normale Blutzucker-Einstellung zu erreichen, um Spätkomplikationen wie Erblindung, Nierenversagen u. a. zu verhindern. Wichtig ist außerdem, den Kindern eine normale psychosoziale Entwicklung zu gewährleisten. Kinder mit Diabetes mellitus sollen sich deshalb in außerfamiliären Betreuungseinrichtungen und in der Schule wie gesunde Kinder entfalten dürfen und an allen Schulveranstaltungen teilnehmen dürfen.

Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG)

Die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) ist die ärztlich-wissenschaftliche Fachgesellschaft der österreichischen Diabetes-Fachleute. Ihre zentrale Aufgabe ist die Forschung und Förderung des wissenschaftlichen Austausches aller auf dem Gebiet der Diabetologie tätigen ForscherInnen und ÄrztInnen. Die ÖDG engagiert sich für die Sicherstellung einer Betreuung der Menschen mit Diabetes in Österreich, die den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht. Ordentliche Mitglieder der Gesellschaft sind ÄrztInnen und wissenschaftlich einschlägig orientierte AkademikerInnen. Assoziierte Mitglieder sind DiabetesberaterInnen und DiaetologInnen.

Presseaussendung (PDF - 22KB)

Pressefotos zum Download:

Prim. Univ. Prof. Dr. Burkhard Simma
Prim. Univ. Prof. Dr. Burkhard Simma, vom Landeskrankenhaus Feldkirch, Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde und Mitglied der ÖGKJ, Copyright Foto: privat

Univ. Prof. Dr. Birgit Rami-Merhar
Univ. Prof. Dr. Birgit Rami-Merhar von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Wien, Copyright Foto: privat

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Logo ÖDG - Österreichische Diabetes Gesellschaft, Copyright: ÖDG

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