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ÖDG fordert flächendeckende mobile Betreuung für Kinder mit Diabetes

(Wien, 30.07.2014) – Jedes Jahr erkranken in Österreich rund 300 Kinder unter 15 Jahren an Diabetes mellitus Typ 1 (DMT1), immer mehr Kinder sind bei der Diagnose sogar unter 5 Jahre alt! Insgesamt sind geschätzte 4.000 österreichische Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren an DMT1 erkrankt. Die Diagnose ist für die Familien immer ein Schock, nicht wenige sind damit überfordert und brauchen Unterstützung. Die ganze Familie wird vor eine große Herausforderung gestellt, schließlich müssen frisch diagnostizierte Kinder und ihre Familien den Umgang mit der Erkrankung und die korrekte Anwendung von Messgeräten und Spritzen erst erlernen. Vor allem jüngere Kinder brauchen die Hilfe ihrer Eltern und ihrer extra geschulten PädagogInnen beim Blutzuckermessen, beim Insulinspritzen, beim BE (Broteinheiten) berechnen etc.

Nach der Diagnose erfolgt daher eine Ersteinschulung, sie dauert sieben bis 14 Tage und findet im Krankenhaus statt. Viele Familien brauchen danach zumindest übergangsweise Unterstützung von mobilen Kinderkrankenschwestern und/oder DiabetesberaterInnen, um den Alltag meistern zu können und wieder ein normales Leben führen zu können. Diese Unterstützung ist besonders wichtig, damit Kinder mit Diabetes die altersentsprechenden und kindgerechten Herausforderungen ihres Alltags bewältigen können. Dazu zählt der uneingeschränkte Besuch der Spielgruppe und des Kindergartens, ebenso die Teilnahme an Sportvereinen und Sportveranstaltungen. Besonders der Beginn oder die Rückkehr in den Kindergarten oder die Schule stellt für Eltern und BetreuerInnen eine große Herausforderung und Verantwortung dar. Es ist unerlässlich, PädagogInnen diabetologisch zu schulen, um das Diabetesmanagement für die Zeit der Fremdbetreuung ordnungsgemäß durchzuführen zu können und eine Sicherheit in der Diabetestherapie für die betroffenen Kinder zu gewährleisten. Ziel ist es, Kinder mit Diabetes nicht vom normalen kindlichen Alltag auszuschließen und Fehlzeiten in Kindergarten und Schule kurz zu halten.

Betreuungskonzepte für mobile Kinderkrankenpflege in ganz Österreich nötig

Eine derartige mobile Beratung für Kinder mit Diabetes ist in manchen Bundesländern – Wien, Salzburg und Tirol – bereits sehr gut umgesetzt, jedoch leider noch nicht flächendeckend in ganz Österreich. Auch die Finanzierung ist nur teilweise gedeckt. Die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) fordert daher die Umsetzung von Betreuungskonzepten über eine mobile Kinderkrankenpflege für ganz Österreich: „Der Bedarf, auch zu Hause im familiären Umfeld beim Umgang mit der Diagnose und Therapie Unterstützung zu erhalten, steigt stetig. Wir brauchen daher eine flächendeckende Umsetzung mobiler Betreuung, damit den betroffenen Familien im Bedarfsfall rasch und unbürokratisch geholfen werden kann“, fordert Ao. Univ.-Prof. in Dr.in Birgit Rami-Merhar, MBA, Leiterin der Diabetesambulanz an der Univ. Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde Wien und Vorstandsmitglied der ÖDG. Mobile Beratung unterstützt nicht nur die Familien in ihrem häuslichen Umfeld, sondern kann auch helfen, die Rate der stationären Aufnahmen bei Kindern mit DMT1 zu senken, zusätzlich werden Ängste bei den betroffenen PädagogInnen abgebaut.

MOKI-Wien unterstützt Wiener Familien

Wien, Salzburg und Innsbruck sind die Vorreiter in Sachen mobiler Kinderkrankenpflege. In Wien entlastet der Verein MOKI-Wien Familien im Umgang mit Diabetes. Kinder und Jugendliche mit DMT1 werden 28 Tage nach der Erstmanifestation zu Hause betreut. Jeden Monat werden im Schnitt zwei neue Kinder dem Verein zugewiesen. Für die Familien ist diese Unterstützung im Rahmen der medizinischen Hauskrankenpflege mit einem Verordnungsschein kostenlos. In der Langzeithauskrankenpflege fällt ein Selbstbehalt von 7,88 Euro pro Stunde an, wenn das Kind Pflegegeld bekommt. Da dies aber meist nicht der Fall ist, fällt aufgrund einer Förderung durch den Fonds Soziales Wien dieser Selbstbehalt weg. Die MOKI-MitarbeiterInnen wiederholen u.a. mit den Kindern das im Krankenhaus Geschulte und Gelernte, kümmern sich um die korrekte Insulingabe, unterstützen den Kindergarten- und Schulbesuch und bieten Informations- und Aufklärungsgespräche in der Schule an.

Zusätzlich gibt es in Wien die Möglichkeit, die mobile Beratung der ÖDV-Wien einzuschalten. Diese Option wird finanziell aber nicht unterstützt und die Fortführung dieser Beratung ist noch ungewiss, da die einzige Diabetesberaterin, die diese Beratungen macht – Frau Elsa Perneczky – in naher Zukunft in Pension gehen wird.

Diabetes-Nannys arbeiten in Salzburg und Innsbruck

In Salzburg und Innsbruck gibt es seit 2011 bzw. 2012 das Konzept der Diabetes-Nannys – diese kümmern sich ausschließlich um Kinder mit Diabetes. Dieses Projekt wird von der Österreichischen Diabetikervereinigung ÖDV angeboten und wurde von der pensionierten Krankenschwester und Diabetesberaterin Ulli Humpel gegründet. Neu erkrankte Kinder und ihre Familien werden schon im Spital kontaktiert und nach der Entlassung weitere vier Wochen zu Hause betreut, bei Bedarf auch länger. Das Projekt wird in Salzburg von der GKK für die Hausbesuche bei GKK-Versicherten unterstützt, die Kosten der Beratung in Einrichtungen oder Angehörige anderer Versicherungsträger werden von der ÖDV getragen.

In Tirol gibt es seit heuer für GKK-Versicherte eine finanzielle Unterstützung für zwei Besuche pro Kind, die restlichen Kosten werden von der ÖDV getragen. Die Diabetes-Nannys gehen auch in die Kindergärten, Schulen und Horte der Kinder, um die PädagogInnen dort im Umgang mit den Kindern zu informieren und in Blutzuckermessung, Insulinberechnung und Ernährungsfragen zu schulen. Auch die Klassenkollegen der kleinen Patienten werden über die Erkrankung aufgeklärt oder es wird auch schon mal ein Kind bei Kindergarten- oder Schulausflügen begleitet. Insgesamt sind derzeit drei Diabetes-Nannys in Salzburg und Tirol unterwegs. Dazu Ass.-Prof. PD Dr. Sabine Hofer, leitende Fachärztin für Kinder und Jugendheilkunde sowie pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie an der Medizinischen Universität Innsbruck: „Der Einsatz der Diabetes-Nannys flächendeckend in Tirol unter enger Zusammenarbeit mit der Diabetesambulanz der Kinderklinik Innsbruck erleichtert es vielen Eltern, ihr Kind mit Diabetes einer fremden Betreuungsperson in Kindergarten oder Schule anzuvertrauen. Durch die fundierte Diabetesschulung der betreuenden PädagogInnen werden Unsicherheiten und Ängste im Umgang mit Kindern mit Diabetes abgebaut und deren Integration in den Schulalltag problemloser. Auch die Teilnahme an Schulausflügen, Sporttagen und Wintersportwochen ist aufgrund der geschulten Betreuungspersonen viel häufiger möglich.“

Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG)

Die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) ist die ärztlich-wissenschaftliche Fachgesellschaft der österreichischen Diabetes-Experten und Diabetes-Expertinnen. Ordentliche Mitglieder der Gesellschaft sind Ärzte und Ärztinnen und wissenschaftlich einschlägig orientierte Akademiker und Akademikerinnen. Assoziierte Mitglieder sind Diabetesberater und Diabetesberaterinnen und Diaetologen und Diaetologinnen. Die Österreichische Diabetes Gesellschaft sieht es als ihre Aufgabe, die Gesundheit und Lebensqualität von Menschen mit Diabetes mellitus zu verbessern. Sie setzt sich daher für die Anliegen der Betroffenen ein. Sie fordert und fördert die stetige Verbesserung der Versorgung von Menschen mit Diabetes mellitus. Sie unterstützt die Forschung und verbreitet wissenschaftliche Erkenntnisse aller den Diabetes berührenden Fachgebiete sowohl zur Verbesserung der medizinischen Betreuung als auch zur bestmöglichen Vorbeugung von Neuerkrankungen.

Die Presseinformation und Fotos finden Sie auch unter: 
http://www.publichealth.at/p-77060.html

Rückfragehinweis:
Public Health PR
Mag. Christine Klinger, MAS
Tel.: 01/60 20 530-93
Mail: christine.klinger@publichealth.at 
Web: www.publichealth.at

Presseaussendung (PDF - 62KB)

Pressefotos zum Download:

Ao. Univ.-Prof. in Dr.in Birgit Rami-Merhar, MBA
Ao. Univ.-Prof. in Dr.in Birgit Rami-Merhar, MBA, 
Leiterin der Diabetesambulanz an der Univ. Klinik 
für Kinder- und Jugendheilkunde Wien und 
Vorstandsmitglied der ÖDG
Copyright: privat

Ass.-Prof. PD Dr. Sabine Hofer
Ass.-Prof. PD Dr. Sabine Hofer, 
leitende Fachärztin für Kinder und Jugendheilkunde, 
pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie an der 
Medizinischen Universität Innsbruck
Copyright: privat

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