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Preise der Österreichischen Diabetesgesellschaft 2016

ÖDG-Forschungspreis 2016

Der mit 35.000 Euro dotierte Forschungspreis der Österreichischen Diabetes Gesellschaft für das Jahr 2016 wurde Ass.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Florian Kiefer für seine Forschung zu den komplexen metabolischen Mechanismen im Rahmen bariatrischer Eingriffe verliehen.

“The role of brown fat activity and the natriuretic peptide system in bariatric surgery-mediated metabolic improvements”


Bariatrische Chirurgie ist eine effektive Therapie zur Gewichtsreduktion bei morbid adipösen PatientInnen. Allerdings ist der postoperative Gewichtsverlust nicht alleine durch verminderte Kalorienzufuhr bzw. Malabsorption erklärbar. Alternative Mechanismen wie Inkretinwirkungen oder Veränderungen des Darmmikrobioms scheinen ebenfalls eine wichtige Rolle zu spielen. Interessanterweise kommt es nach bariatrischen Eingriffen auch häufig zu einer Erhöhung natriuretischer Peptidkonzentrationen im Blut, was wiederum mit Gewichtsverlust assoziiert ist. Jedoch ist bisher kein kausaler Zusammenhang bekannt. Ein weiterer Mechanismus, der bislang bei bariatrischen PatientInnen kaum studiert wurde, ist die Aktivierung des braunen Fettgewebes, was durch seine energieverbrauchenden Eigenschaften ebenfalls die Gewichtsabnahme begünstigen kann. Aus Tierstudien ist bekannt, dass natriuretische Peptide wie Brain Natriuretic Peptide (BNP) nicht nur das braune Fettgewebe aktivieren können, sondern auch dabei helfen, weißes Fett in braunes/beiges umzuwandeln. In der aktuellen Studie soll bei bariatrischen PatientInnen ein möglicher Zusammenhang zwischen Gewichtsverlust, Anstieg der natriuretischen Peptide in der Zirkulation und Aktivierung von braunem Fettgewebe untersucht werden. Die so gewonnenen Erkenntnisse sollen das Verständnis über die Mechanismen, welche zum Gewichtsverlust nach bariatrischen Operationen führen, verstärken.

Ass.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Florian Kiefer promovierte 2006 an der Medizinischen Universität Wien, absolvierte anschließend sein PhD-Training in dem Doktoratsprogramm „Cell Communication in Health and Disease“, gefolgt von der Facharztausbildung in Innerer Medizin an der Universitätsklinik für Innere Medizin III in Wien. Diese unterbrach er für ein dreijähriges Postdoctoral Fellowship an der Harvard Medical School in Boston, USA, wo er sich insbesondere mit den Mechanismen der braunen Fettgewebsaktivierung und der Umwandlung von weißem in braunes Fett („browning“) beschäftige. 2015 folgte die Habilitation im Fachgebiet Innere Medizin. Derzeit ist Dr. Kiefer Oberarzt und Leiter einer Forschungsgruppe an der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel der Universitätsklinik für Innere Medizin III an der Medizinischen Universität Wien.

OA Dr. Helmut Brath, Ass.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Florian Kiefer, Univ.- Prof. Dr. Hermann Toplak
OA Dr. Helmut Brath, Ass.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Florian Kiefer, Univ.- Prof. Dr. Hermann Toplak
(Bildnachweis: Wild + Team/Salzburg)

DIABETES-FORUM-Preis 2016

Der von MedMedia unterstützte DIABETES-FORUM-Preis ging an Dr. Ewald Kolesnik (Graz) und wurde durch Univ.-Prof. Dr. Guntram Schernthaner, Herausgeber von DIABETES FORUM, überreicht.

Ewald Kolesnik, Chintan Koyani, Markus Wallner, Mounir Khafaga, Susanne Scherübel, Harald Sourij, Heinrich Mächler, Ernst Malle, Brigitte Pelzmann, Dirk von Lewinski

„DPP-4 inhibitors impair contraction and relaxation in human atrial trabeculae and electrophysiological function in guinea pig ventricular cardiomyocytes“


Der bei der ÖDG-Jahrestagung 2016 präsentierte Abstract spannt einen Bogen über die Fächer Diabetologie und Kardiologie. DPP-4-Inhibitoren sind seit 2006 in der Therapie von Typ-2-Diabetes verfügbar. Die blutzuckersenkende Wirkung beruht auf der Blockade des Enzyms DPP 4, das wiederum hauptverantwortlich für den Abbau von GLP-1 ist. GLP-1 seinerseits führt zu einer verstärkten glukoseabhängigen Insulinsekretion. Dieser elegante Mechanismus der DPP4-Inhibitoren birgt ein geringes Risiko hinsichtlich Hypoglykämien, einer gefährlichen Nebenwirkung antidiabetischer Therapien. Überaschenderweise zeigte sich bei der größten klinischen Studie zu dieser Medikamentenklasse (SAVOR-TIMI) eine Auffälligkeit in Bezug auf die Hospitalisierungsrate für Herzinsuffizienz als sekundären Endpunkt. Diese Kennzahl war bei der mit Saxagliptin behandelten Interventionsgruppe signifikant erhöht, suffiziente Erklärungsmodelle für diese Beobachtung konnten bis heute keine erbracht werden. Ein Blick in die Literatur zeigt schnell, dass sehr wenig über Interaktionen von DPP-4-Inhibitoren und dem kardiovaskulären System bekannt ist.

In der vorgestellten Arbeit konnten für die DPP-4-Inhibitoren Saxagliptin, Alogliptin und Sitagliptin jeweils proarrhythmogene Effekte in humanen atrialen Muskelstreifen gezeigt werden. Darüber hinaus bewirkte Saxagliptin einen leichten negativ inotropen Effekt. Mittels der Patch-Clamp-Technik konnte für Saxagliptin zusätzlich eine Verlängerung der Aktionspotentialdauer in ventrikulären Zellen von Meerschweinchen dargestellt werden. Ursächlich hierfür ist wahrscheinlich eine Störung der Ionenhomöostase, jedoch ist der exakte Mechanismus noch nicht aufgeklärt. Die Beobachtungen aus diesen Experimenten und eine weiterführende Darstellung molekularer Mechanismen könnten somit als Grundlage für künftige Erklärungsmodelle rund um die kontrovers diskutierte erhöhte Hospitalisierungsrate für Herzinsuffizienz in der SAVOR-TIMI-Studie dienen.

Dr. Ewald Kolesnik schloss sein Medizinstudium im Jahr 2015 ab. Seitdem steht er in Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin an der Abteilung für Kardiologie an der Medizinischen Universität Graz und absolviert dort auch sein Doktoratsstudium. Seit 2013 arbeitet er in der Forschungsgruppe „Myocardial energetics and metabolism“ von Assoz. Prof. PD Dr. Dirk von Lewinski.

Univ.-Prof. Dr. Guntram Schernthaner, Dr. Ewald Kolesnik , Univ.-Prof. Dr. Hermann Toplak
Univ.-Prof. Dr. Guntram Schernthaner, Dr. Ewald Kolesnik , Univ.-Prof. Dr. Hermann Toplak
(Bildnachweis: Wild + Team/Salzburg)

Abstract-Preise der ÖDG 2016

Die mit jeweils 750 Euro dotierten Abstract-Preise 2015 wurden an Dipl.-Ing. Jasmin Hauzenberger (Graz) und Dr. Monika Cigler (Graz) vergeben.

Jasmin Hauzenberger, Marc C Torjman, PA McCue, Verena Zachhuber, Thomas R Pieber, JI Joseph

„Pilotstudie zur histologischen und molekularbiologischen Evaluierung der Immunreaktion auf Insulininfusionskatheter in humanem subkutanen Fettgewebe“


Hintergrund dieser Arbeit war das Problem, dass für die Untersuchung der Immunreaktion relativ große Mengen an subkutanem Fettgewebe benötigt werden, was eine Humanstudie aufgrund des resultierenden Traumas schier unmöglich macht. In Philadelphia konnten jedoch im Rahmen einer kleinen Pilotstudie Patienten rekrutiert werden, denen aufgrund einer Bauchdeckenstraffung eine Hautschürze entnommen wurde. Dieser Versuchsaufbau war in der Diabetesforschung neuartig und wird nun zukünftig diese oder weitere humane immunologische Fragestellungen systematisch beantworten können.

Dipl.-Ing. Jasmin Hauzenberger studierte Technische Chemie und Biotechnologie an der TU Wien. Seit 2013 arbeitet sie in der Forschungsgruppe von Prof. Thomas Pieber an ihrer Dissertation und beschäftigt sich mit der Immunreaktion auf kontinuierliche Insulininfusionssysteme und der einhergehenden Variabilität der Insulinabsorption. Im Rahmen eines Forschungsaufenthaltes an der Thomas Jefferson University in Philadelphia in der Gruppe von „Animas“-Gründer Jeffrey Joseph, entstanden die Daten für den prämierten Abstract.

Dr. Sabine Zenz (Mitte), Prim. Dr. Claudia Francesconi (Past-Sekretär der ÖDG) und Univ.-Prof. Dr. Thomas C. Wascher (Past-Präsident der ÖDG)
OA Dr. Helmut Brath, DI Jasmin Hauzenberger, Univ.- Prof. Dr. Hermann Toplak
(Bildnachweis: Wild + Team/Salzburg)

Monika Cigler, Verena Schwetz, Felix Aberer, Sabine Zenz, Andreas Lueger, Philip Eller, Thomas R. Pieber, Harald Sourij, Julia K. Mader

„Retrospektive Analyse von glykämischen Entgleisungen bei Diabetes in der internistischen Notaufnahme am LKH Universitätsklinikum Graz“


Studien aus den USA zeigen, dass hypoglykämiebedingte Einweisungen in Krankenhaus-Notaufnahmen in den letzten zehn Jahren stark gestiegen sind, wobei die Hauptursache dafür die zunehmende Therapieintensivierung ist.
Da es für Österreich auf diesem Gebiet bisher noch keine Daten gab, wurden in der vorliegenden Studie retrospektiv alle Patienten analysiert, die in den Jahren 2008, 2011 und 2014 in der internistischen Notaufnahme des LKH Universitätsklinikum Graz aufgrund von Hypo- oder Hyperglykämien vorstellig wurden (insgesamt 583 Patienten, 298 männlich/285 weiblich).
Ziel der Untersuchung war es, die Häufigkeit von Notaufnahmebesuchen aufgrund von Hypoglykämien/Hyperglykämien sowie Ursachen und therapeutische Konsequenzen dieser Akutfälle zu erheben und Veränderungen über die Zeit zu erfassen.
Die Ergebnisse zeigen trotz einer Zunahme der jährlichen Besuchsfrequenzen aller internistischen Fälle von 17.747 auf 20.413 eine Abnahme der Hypoglykämien von 0,5 Prozent (2008) über 0,38 Prozent (2011) auf 0,33 Prozent (2014) aller Notaufnahmszuweisungen.
Patientenbezogene Ursachen für Notaufnahmebesuche (z. B. Insulindosierungsfehler, Alkohol, Schulungsdefizite etc.) betrugen in allen Jahren um 30 Prozent, nahmen aber bei Patienten mit Basis-Bolus-Therapie (nicht aber bei Patienten mit Mischinsulinen) im Zeitverlauf signifikant ab (59,4 Prozent/45 Prozent/28,6 Prozent). Stationäre Einweisungen als Konsequenz nahmen ab, ambulante Therapien stiegen an.

Mögliche Erklärungen für diese Ergebnisse sind der Einsatz von neuen antihyperglykämischen Substanzen mit niedrigem Hypoglykämiepotential sowie eine verbesserte Therapieindividualisierung.

Dr. Monika Cigler ist eine „spätberufene“ Medizinerin. Nach einem Dolmetscherstudium sowie einem Doktorat in Sprachwissenschaften ist sie zwar bis heute als Japanisch-Dolmetscherin tätig, entdeckte aber neben ihren drei Kindern knapp nach ihrem 40. Lebensjahr die Liebe zur Medizin und meldete sich kurzerhand zum Aufnahmetest an der Medizinischen Universität Graz an. Momentan steht sie knapp vor Studienabschluss und forscht an der Abteilung für Endokrinologie des LKH Universitätsklinikums Graz unter Ass.-Prof. Dr. Julia Mader und Univ.-Prof. Dr. Harald Sourij, deren fachlich kompetente und herzliche Betreuung sie überaus schätzt. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, möchte sich Fr. Dr. Cigler auch in Zukunft weiter intensiv mit der Diabetesforschung beschäftigen, sei es als Fachärztin oder vielleicht im Rahmen eines Doktoratsstudiums. „Es freut mich besonders, dass ich sowohl während meines Studiums als auch hier bei der ÖDG als early investigator immer erfahren durfte, dass ich überall die gleichen Chancen wie meine jüngeren Kollegen habe!“

OA Dr. Helmut Brath, Dr. Monika Cigler, Univ.-Prof. Dr. Hermann Toplak
OA Dr. Helmut Brath, Dr. Monika Cigler, Univ.-Prof. Dr. Hermann Toplak
(Bildnachweis: Wild + Team/Salzburg)

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