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Preise der Österreichischen Diabetesgesellschaft 2018

ÖDG-Forschungspreis 2018

Der mit 40.000 Euro dotierte Forschungspreis der Österreichischen Diabetes Gesellschaft für das Jahr 2018 ging an Dr. Peter Wolf für sein Projekt zum Einfluss der Fettsäurezusammensetzung in insulinabhängigen Organen auf die Entwicklung des Typ-1-Diabetes.

Rolle der Fettsäurezusammensetzung in der Entstehung des Typ-1-Diabetes


Hintergrund:
Diabetes mellitus Typ 1 (T1DM) ist eine Autoimmunerkrankung, die durch Antikörper gegen die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse ausgelöst wird. Hierdurch kommt es zu einer kontinuierlichen Zerstörung der Inselzellen und schlussendlich zu einer nichtausreichenden Insulinsekretion.
Studien zeigen, dass die Fettsäurezusammensetzung, insbesondere der Gehalt von Omega-3-Fettsäuren, einen modulatorischen Effekt auf das Immunsystem haben könnte. So wurde in Tierstudien ein protektiver Effekt einer Omega-3-Fettsäuresubstitution auf die Entstehung eines T1DM beschrieben. Ähnliches konnte auch im Menschen beobachtet werden: Eine vermehrte Gabe von mehrfach ungesättigten Fettsäuren führte bei Kindern zu einer Reduktion der autoimmunen Entzündung der Inselzellen.
Mittels hochauflösender Bildgebung durch Magnetresonanzspektroskopietechniken ist es möglich, neben dem absoluten Fettsäuregehalt auch die Fettsäurezusammensetzung in verschiedenen Organen zu messen.

Forschungsvorhaben: die Messung der Konzentration von mehrfach ungesättigten Fettsäuren im Blut, im viszeralen und subkutanen Fettgewebe sowie in insulinabhängigen Organen wie dem Muskel und der Leber bei Patienten mit erstmanifestiertem T1DM. Zudem soll der Einfluss auf die Autoimmunität untersucht werden.
Die Untersuchung wird drei Monate nach Blutzuckereinstellung wiederholt, um mögliche Effekte auf die Fettsäurezusammensetzung durch die glykämische Kontrolle festzustellen. Auch gesunde Kontrollprobanden, die in Hinblick auf Alter und Geschlecht mit den Patienten vergleichbar sind, werden in die Studie eingeschlossen.
Auf Basis der Studie soll festgestellt werden, ob sich Unterschiede bei der Fettsäurezusammensetzung bei Patientinnen und Patienten mit T1DM finden lassen und ob es einen Einfluss auf die Autoimmunität gibt. Dies könnte die Basis für weitere, größere prospektive Studien sein.

Zum Preisträger: Dr. Peter Wolf schloss sein Studium der Humanmedizin im Jahr 2012 an der Medizinischen Universität Wien ab; 2019 folgte der Abschluss seines PhD-Studiums im Bereich „Endokrinologie und Stoffwechsel“. Derzeit absolviert er seine Assistenzarztausbildung an der Klinik für Innere Medizin III der Medizinischen Universität Wien. Gemeinsam mit seiner Arbeitsgruppe beschäftigt er sich wissenschaftlich mit der Untersuchung von ektoper Fettablagerung in insulinabhängigen Organen mittels Magnetresonanzspektroskopie.

Priv.-Doz. Dr. Yvonne Winhofer-Stöckl, Dr. Peter Wolf
Priv.-Doz. Dr. Yvonne Winhofer-Stöckl, Dr. Peter Wolf
(Bildnachweis: Wild + Team, Salzburg)

Abstract-Preise der ÖDG 2018

Die mit jeweils 750 Euro dotierten Abstract-Preise 2018 gingen an Dr. Jürgen Harreiter (Wien) und Dr. Mairam Kaplanian (Wien).

Harreiter J, Berger-Kulemann V, Tanaanantarak P, Stöcklein S, Hachemian N, Weber M, Krssak M, Prayer D, Kautzky-Willer A

„Ist die Steatosis hepatis ein pränataler Prozess? – vorläufige Studienergebnisse“


Der intrahepatische Fettgehalt (IHLC) ist bei Nachkommen von adipösen Frauen mit Gestationsdiabetes erhöht; Zeitpunkt und Ausmaß, in denen Lipide in der Leber gespeichert werden, sind unbekannt.

In Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik für Radiologie, Frauenheilkunde und Innere Medizin III des AKH in Wien wurden prospektiv MR-Untersuchungen von 127 Feten durchgeführt, um zu untersuchen, ob sich ein erhöhter Leberfettgehalt im Fetus bereits während der Schwangerschaft präsentiert. Dabei sollte der Zeitpunkt des Beginns dieses Prozesses in der Schwangerschaft festgestellt und geprüft werden, ob und in welchem Ausmaß dieser Vorgang in Zusammenhang mit dem BMI der Mutter steht.

Eine milde Steatose wurde bei 27 von 127 Feten (21,3 %) festgestellt. Zwei Feten wiesen im dritten Trimenon eine moderate Stenose auf; beide Mütter waren adipös (BMI 30,4 bzw. 30,9 kg/m2). Der mütterliche BMI ist den Daten zufolge signifikant mit dem Auftreten einer Steatosis assoziiert (normal n = 50, 12 %; übergewichtig n = 49, 26,5 %; adipös n = 28, 39,3 %).

Fazit: Diese vorläufigen Studiendaten zeigen, dass die Entwicklung einer Steatosis hepatis bereits in der Schwangerschaft auftreten kann und eng mit dem maternalen Metabolismus und der Körperkomposition assoziiert ist. Die Ergebnisse müssen in weiterer Folge in einem größeren Kollektiv verifiziert werden.

Zum Preisträger: Univ.-Lektor Dr. Jürgen Harreiter, MSc (Gender Medicine) ist Arzt in Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin an der Medizinischen Universität, AKH Wien. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Gestationsdiabetes und Genderunterschiede bei Stoffwechselerkrankungen.

Priv.-Doz. Dr. Yvonne Winhofer-Stöckl, Univ.-Lektor Dr. Jürgen Harreiter, MSc
Priv.-Doz. Dr. Yvonne Winhofer-Stöckl, Univ.-Lektor Dr. Jürgen Harreiter, MSc
(Bildnachweis: Wild + Team, Salzburg)


Kaplanian M, Hackl MT, Stemmer K, Luger A, Scherer T, Fürnsinn C

„Haltung adipöser Mäuse unter Hypoxie reduziert die Hyperglykämie ohne Verbesserung der Insulinsensitivität“


Die Prävalenz von Übergewicht, Diabetes und Insulinresistenz ist bei Menschen, die auf hoher Seehöhe leben, geringer. Ob das ausschließlich Folge eines für Höhenlagen typischen Appetitverlusts ist, oder ob auch die geringere Sauerstoffverfügbarkeit direkten Einfluss hat, ist noch nicht geklärt.
Die im Abstrakt berichteten Forschungen beschäftigen sich daher mit dieser bekannten appetitreduzierenden und antidiabetischen Wirkung von geringem Sauerstoffpartialdruck im Mausmodell. Adipöse, hyperglykämische Mäuse wurden für drei Monate unter einer Atmosphäre von 10 % O2 gehalten; hypoxiebedingter Appetit- und Gewichtsverlust wurden in der Kontrollgruppe durch reduzierte Fütterung ausgeglichen, womit indirekte Effekte über Gewichtszunahme ausgeschlossen wurden.
Bei gleicher Gewichtskurve hatte die Hypoxie keinen Einfluss auf die relative Fettmasse bzw. die basalen Plasmakonzentrationen von Insulin und Triglyzeriden, während die Hypoxie allerdings eine deutliche antihyperglykämische Wirkung aufwies. Im Insulintoleranztest sank die Blutglukose der Kontrolltiere mit deutlich erhöhtem Ausgangswert stärker ab, nach 30 Minuten war die Glykämie in beiden Gruppen vergleichbar.

Fazit: Aus diesen Ergebnissen kann gefolgert werden, dass das Leben unter geringer Sauerstoffverfügbarkeit eine direkte, gewichtsunabhängige Wirkung auf die Glukosehomöostase hat. Diese antihyperglykämische Wirkung wurde in den adipösen Mäusen jedoch von keinerlei Evidenz für reduzierte Insulinresistenz begleitet, was ein Hinweis auf bisher unbekannte Wirkmechanismen sein könnte. In Experimenten an Knock-out-Mäusen konnte der Fibroblast Growth Factor 21 als essenzieller Vermittler der Hypoxiewirkung auf den Glukosestoffwechsel ausgeschlossen werden.
Dieser außergewöhnliche Phänotyp ist derzeit Gegenstand weiterer Untersuchungen.

Dr. Mairam KaplanianZur Preisträgerin: Dr. Mairam Kaplanian, PhD, studierte Medizin in St. Petersburg und war danach mit Spezialisierung auf Endokrinologie an der Universitätsklinik ärztlich und wissenschaftlich tätig. 2016 begann sie ihre Doktorarbeit im Bereich der Grundlagenforschung an der Medizinischen Universität Wien. Parallel dazu schloss Dr. Kaplanian eine Doktorarbeit zur diabetischen Nephropathie an der S. M. Kirov Military Medical Academy in St. Peterburg ab (PhD). Sie steht nun kurz vor dem Abschluss ihres Doktoratsstudiums der Angewandten Medizinischen Wissenschaft in Wien.

DIABETES-FORUM-Preis 2018

Der mit 800 Euro dotierte und von MedMedia unterstützte DIABETES FORUM-Preis ging an Dr. Harald Kojzar und wurde von Univ.-Prof. Dr. Guntram Schernthaner, Herausgeber von DIABETES FORUM, überreicht.

Kojzar H, Fröhlich-Reiterer E, Mader JK, Pöttler T, Elsayed E, Jasser-Nitsche H, Rami-Merhar B, Fritsch M, Nagl K, Hofer S, Abt D, Binder E, Streichen E, Acerini CL, de Beaufort C, Campbell F, Kapellen T, Lawton J, Roze S, Sibayan J, Sonesson A, Allen J, Tauschmann M, Musolino G, Barber N, Wilinska ME, Hovorka R on behalf of KidsAP Consortium

„Anwendung der künstlichen Bauchspeicheldrüse bei Kleinkindern mit Diabetes mellitus Typ 1 – KidsAP01“


Diabetesmanagement bei Kleinkindern ist herausfordernd und könnte durch die Anwendung einer künstlichen Bauchspeicheldrüse vereinfacht werden. Ziel der präsentierten Studie war die Beurteilung der Machbarkeit, Sicherheit und Wirksamkeit der Verwendung eines Hybrid-Closed-Loop-Systems bei Kleinkindern mit Diabetes mellitus Typ 1 unter normalen Lebensbedingungen. Aufgrund der bei Kleinkindern notwendigen kleinen Insulindosen wurde verdünntes (U20) mit unverdünntem Insulin Aspart (U100) verglichen.

Insgesamt wurden 24 Kleinkinder mit vorbestehender Insulinpumpentherapie in die offene, multizentrische Cross-over-Studie eingeschlossen. Die Studie bestand aus zwei 21-tägigen Closed-Loop-Interventionen mit U20 und U100 in randomisierter Reihenfolge unter Verwendung eines Hybrid-Closed-Loop-Systems (Cambridge-Florence-Algorithmus mit modifiziertem Medtronic-MiniMed®-640-G-System mit Enlite™-3-Sensor).
Die Zeit im Zielbereich (70–180 mg/dl) war bei beiden Gruppen vergleichbar; es gab keinen Unterschied von mittlerer Sensorglukose und Glukosevariabilität zwischen den Gruppen. Weiters zeigte sich kein Unterschied bezüglich der Zeit in Hypoglykämie. Die Insulintagesdosis unterschied sich ebenso wenig. Während der Studie kam es zu keiner schweren Hypoglykämie oder Ketoazidose.

Fazit: Hybrid-Closed-Loop-Therapie bei Kleinkindern mit Diabetes mellitus Typ 1 ist im Alltag machbar, sicher und wirksam. Die Verwendung von verdünntem Insulin bringt keine Vorteile gegenüber Standardinsulin in der Closed-Loop-Anwendung.

Zum Preisträger: Dr. Harald Kojzar ist seit 2007 als Mitarbeiter an der Medizinischen Universität Graz, Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel in der Arbeitsgruppe Prof. Dr. Pieber, auf dem Gebiet der Diabetesforschung tätig. Im Jahr 2012 schloss er sein berufsbegleitendes Studium der Molekularbiologie an der Karl-Franzens-Universität in Graz mit dem Titel BSc. ab. Sein aktuelles Forschungsgebiet ist der Bereich „Closed Loop“-Systeme zusammen mit Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dr. Julia Mader im Rahmen des EU-Projekts „KidsAP“

Univ.-Prof. Dr. Guntram Schernthaner, Dr. Harald Kojzar, Priv.-Doz. Dr. Yvonne Winhofer-Stöckl
Univ.-Prof. Dr. Guntram Schernthaner, Dr. Harald Kojzar, Priv.-Doz. Dr. Yvonne Winhofer-Stöckl
(Bildnachweis: Wild + Team, Salzburg)

Journalistenpreis 2018

Bereits zum zweiten Mal konnte mit Unterstützung von Universimed der mit € 1.500 dotierte Journalistenpreis vergeben werden.

Ausgezeichnet wurde ein Beitrag aus einem Laienmedium, der sich allgemein verständlich mit dem Thema Diabetes und seinen Folgeerscheinungen, vor allem aber mit der Vorbeugung der Erkrankung auseinandersetzt. Der mit € 1.500 dotierte Preis wurde 2018 an Frau Magdalena Meergraf für ihren Beitrag „Diabetes in der Schule“ im KURIER-Magazin vergeben.

Priv.-Doz. Dr. Yvonne Winhofer-Stöckl, Magdalena Meergraf, Univ.-Prof. Dr. Bernhard Ludvik
Priv.-Doz. Dr. Yvonne Winhofer-Stöckl, Magdalena Meergraf, Univ.-Prof. Dr. Bernhard Ludvik
(Bildnachweis: Wild + Team, Salzburg)

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