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Preise der Österreichischen Diabetesgesellschaft 2019

Starter-Grant 2019

Der mit 10.000 Euro dotierte Starter-Grant für junge Wissenschafter zu Beginn ihrer Karriere wurde im Jahr 2019 erstmals vergeben. Der Grant soll jungen Wissenschaftern die Durchführung erster Projekte ermöglichen, und somit den Weg für größere Projekte ebnen.
Dr. Michael Leutner (Wien) erhielt den Preis für das Projekt „Epigenetik-basierte Typ-2-Diabetes Diagnostik aus Speichel und Blut“

Dr. Michael Leutner, MSc PhD promovierte 2014 an der Medizinischen Universität Wien. Anschließend absolvierte er das PhD-Programm „Endocrinology and Metabolism“, das er 2018 erfolgreich abschließen konnte. Zusätzlich belegte er den Universitätslehrgang Gender Medicine an der Medizinischen Universität Wien. Michael Leutner ist als Assistenzarzt in Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin an der Universitätsklinik für Innere Medizin 3, Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel tätig. In der wissenschaftlichen Arbeitsgruppe unter der Leitung von Univ.-Prof. Alexandra Kautzky-Willer legt er seinen Schwerpunkt auf die Erforschung von frühen epigenetischen Modifikationen in Speichel und Blut bei Diabetikern für die Früherkennung der Erkrankung. Außerdem forscht er intensiv an dem Zusammenhang von cholesterinsenkenden Medikamenten mit hormonabhängigen Erkrankungen wie beispielsweise Osteoporose. Zu diesem Thema publizierte er kürzlich eine Studie in dem Top-Journal Annals of the Rheumatic Diseases, die einen dosisabhängigen Zusammenhang von Statinen mit der Diagnose von Osteoporose beschreibt. Des Weiteren veröffentlichte Michael Leutner im Jahr 2019 eine Arbeit in dem Top-Journal Metabolism, die aufzeigte, dass Glucagon-like peptide 1 (GLP-1) der maßgebliche Faktor für das gehäufte Auftreten von postprandialen Hypoglykämien bei schwangeren Frauen mit Roux-en-Y-Magenbypass ist. Weitere Forschungsprojekte von Michael Leutner beschäftigen sich mit dem Zusammenhang des intestinalen Mikrobioms mit dem Glukosestoffwechsel bei bariatrisch operierten Patienten.

Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Yvonne Winhofer-Stöckl, Dr. Michael Leutner, MSc PhD
Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Yvonne Winhofer-Stöckl, Dr. Michael Leutner, MSc PhD
(Bildnachweis: Wild + Team, Salzburg)

Langerhans-Preis 2019

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis würdigt im Jahr 2019 bereits zum sechsten Mal Arbeiten aus dem Bereich der Diabetologie, die in den vergangenen fünf Jahren veröffentlicht oder zur Publikation freigegeben wurden. Der Preis ging an Dr. Martin Tauschmann für seine Arbeiten zur Sicherheit, Nützlichkeit und Wirksamkeit des Einsatzes von Closed-Loop-Systemen bei Kindern und Jugendlichen.

Dr. Tauschmann begann seine wissenschaftliche Tätigkeit an der Medizinischen Universität Graz, an der er auch sein Medizinstudium absolvierte, an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Borkenstein sowie der die Universitätsklinik für Innere Medizin bei Prof. Dr. Pieber. Im September 2013 wechselte er nach Cambridge, UK, um am Institute of Metabolic Science in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Roman Hovorka, wo er auch sein PhD Studium absolvierte.
Der wissenschaftliche Fokus von Dr. Tauschmann liegt auf der Entwicklung und Testung der sogenannten künstlichen und deren Anwendung in unterschiedlichen pädiatrischen Populationen mit Typ-1-Diabetes. Mit dem Team von Prof. Hovorka in Cambridge führte Dr. Tauschmann einer Reihe von Studien durch, welche die Sicherheit, Nützlichkeit und Wirksamkeit des Einsatzes von Closed-Loop-Systemen bei Jugendlichen und Kindern ab 1 Jahr belegen. Die Ergebnisse dieser Studien wurden in medizinischen Top-Journals veröffentlicht (u. a. New England Journal of Medicine, The Lancet, Diabetes Care) und unterstützen die Übernahme der Closed-Loop-Technologie in die klinische Praxis.
Nach seiner Rückkehr nach Österreich setzt Dr. Tauschmann nun seit Juli 2018 seine Facharztausbildung in Pädiatrie an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Wien fort und ist in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Rami-Merhar tätig. Dr. Tauschmann ist weiterhin eng mit der Artifical Pancreas Group in Cambridge verbunden, unter anderem im Rahmen des KidsAP-Projektes, eines multinationalen Konsortiums zur Testung eines Closed-Loop-Systems bei Kleinkindern und Vorschulkindern (1–7-Jährige), finanziert durch die Europäische Kommission im Rahmen des Horizon-2020-Programms.

Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Yvonne Winhofer-Stöckl, Dr. Martin Tauschmann
Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Yvonne Winhofer-Stöckl, Dr. Martin Tauschmann
(Bildnachweis: Wild + Team, Salzburg)

Abstractpreise der ÖDG

Die mit jeweils 750 Euro dotierten Abstract-Preise gingen an DDr. Felix Aberer (Graz) und Christoph Haudum, MSc (Graz)

Aberer F et al.
„Hypoglykämie führt zu einer Plättchen- und Gerinnungsaktivierung bei PatientInnen mit Typ-2-Diabetes unter Metformin-Monotherapie – Ergebnisse einer hyperinsulinämischen hypoglykämischen Clamp-Studie“

Thematische Grundlage dieser Studie war die evidente Kenntnis, dass das Auftreten von Hypoglykämien mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen und Mortalität assoziiert ist. Die zugrundeliegenden pathophysiologischen Mechanismen dafür sind schlecht erforscht, und so war eine vermutete durch Hypoglykämien induzierte Aktivierung von Plättchen- und Gerinnungsaktivierung Gegenstand dieser experimentellen Studie.

14 TeilnehmerInnen mit Typ-2-Diabetes mellitus unter Metformin-Monotherapie unterzogen sich einem hypogykämischen Clamp-Experiment, bei welchem die Blutglukose der Teilnehmer auf 45 mg/dl abgesenkt und auf diesem Plateau für 30 Minuten stabil gehalten wurde. Während der Hypoglykämie, der Erholungsphase und einen Tag sowie sechs Tage nach der Hypoglykämie erfolgte die Bestimmung von Parametern der Plättchen- und Gerinnungsaktivierung.

Fazit: Die Ergebnisse dieser Studie stellen einen möglichen mechanistischen Ansatz dar, der dazu beiträgt, die Assoziation zwischen hypoglykämischen Ereignissen und dem erhöhten kardiovaskulären Risiko zu erklären.

Priv.-Doz. DDr. Felix Aberer arbeitet als Facharzt für Innere Medizin an der Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie an der medizinischen Universität Graz.
Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Diabetestechnologie (digitales Blutzuckermanagement im Krankenhaus, CGM-Systeme) unter der Führung von Assoz.-Prof. Julia Mader; zudem ist er in der Forschungsgruppe von Assoz.-Prof. Harald Sourij mit Themen der kardiovaskulären Diabetologie befasst.

Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Yvonne Winhofer-Stöckl, Priv.-Doz. DDr. Felix Aberer
Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Yvonne Winhofer-Stöckl, Priv.-Doz. DDr. Felix Aberer
(Bildnachweis: Wild + Team, Salzburg)


Haudum C. W. et al.
Diastolische Dysfunktion in einer großen kardiovaskulären Risiko-Kohorte und Konversion zu Diabetes mellitus Typ 2

Die diastolische Dysfunktion – häufig bei Typ-2-Diabetes und/oder Adipositas – ist oft schwer zu behandeln. Ziel dieser Studie ist, gesunde, prädiabetische und T2D-Personen und ihre diastolische Funktion in einem frühen, asymptomatischen Stadium zu evaluieren.
Die Untersuchungen an 857 prospektiven Probanden der BioPersMed-Kohorte umfassten Ultraschall, Spiroergometrie, biochemische und klinische Parameter.
Die diastolische Funktion wurde u. a. über den transmitralen Flow, die myokardialen Relaxationsgeschwindigkeiten am Mitralring, die Ratio E/e’mean bzgl. Füllungsdrucks, den linksatrialen Volumenindex und den maximalen trikuspidalen Regurgitationsgradientengemessen und statistisch ausgewertet.

Fazit: T2DM- und präDM-PatientInnen zeigten eine bereits signifikant reduzierte diastolische Funktion mit verminderter myokardialer Relaxationsgeschwindigkeit bei unauffälligem sekundärem Remodeling oder Schweregrad. Der Glukosestoffwechsel hat daher einen frühen Einfluss auf die diastolische Funktion bei sonst asymptomatischen Personen und sollte rechtzeitig erfasst werden, um die Prognose dieser Patientenen zu verbessern. Pathophysiologische Aspekte werden nun über weitere Biomarker erforscht.

Christoph W. Haudum, MSc. ist PhD-Student an der Medizinischen Universität Graz sowie am Center for Biomarker Research in Medicine (CBmed Ges.m.b.H.). Sein Schwerpunkt liegt auf der Detektion von krankheitsspezifischen Biomarkern und deren Translation von der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung. Mit speziellem Interesse im Bereich Bioinformatik und dem Wunsch, interdisziplinär zu forschen, arbeitet er derzeit auch an der technischen Umsetzung von Point-of-Care-Geräten zur Früherkennung von metabolischen Erkrankungen wie Osteoporose und Diabetes.

Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Yvonne Winhofer-Stöckl, Christoph W. Haudum, MSc.
Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Yvonne Winhofer-Stöckl, Christoph W. Haudum, MSc.
(Bildnachweis: Wild + Team, Salzburg)

DIABETES FORUM-Preis 2019

Der mit 800 Euro dotierte und von MedMedia unterstützte DIABETES FORUM-Preis ging an Dr. Carola Deischinger (Wien).

Deischinger C et al.
„Gender gap in the diagnosis of depression more prevalent in type 2 diabetes mellitus patients than non-diabetics in Austrian population from 2003 until 2014“

Diabetes mellitus in Kombination mit Depression geht mit einer stark erhöhten Morbidität sowie Mortalität einher und stellt somit nicht nur eine Belastung für die Patientinnen und Patienten, sondern auch für das Gesundheitssystem dar. Frauen werden häufiger als Männer mit Depression diagnostiziert, wodurch ein sogenannter „Gender Gap“ entsteht. Verglichen mit der restlichen Bevölkerung besteht zusätzlich eine erhöhte Prävalenz für Depression bei Diabetikerinnen und Diabetikern. Um den Einfluss von Typ-2-Diabetes mellitus auf den bereits bekannten „Gender Gap“ in Depression zu untersuchen, wurde eine „Big Data“-Analyse aller Spitalsaufenthalte der österreichischen Gesamtbevölkerung im Zeitraum von 2003 bis 2014 durchgeführt. Dabei handelte es sich um eine Größenordnung von insgesamt 45 Millionen Diagnosen aus einem Datensatz des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger. Bei den daraus gefilterten 213.986 Typ-2-Diabetikerinnen und -Diabetikern wurde, verglichen mit der Restbevölkerung, eine Vergrößerung des „Gender Gap“ der Diagnose Depression festgestellt.

Fazit: Der „Gender Gap“ bei Depression ist bei Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes signifikant größer als in der Normalbevölkerung. Aufgrund des erhöhten Depressionsrisikos bei Frauen bedarf es, angesichts der Auswirkungen der Kombination von Typ-2-Diabetes mellitus mit Depression auf Morbidität und kardiovaskuläre Mortalität, einer thematischen Sensibilisierung des Gesundheitspersonals sowie der möglichen Betroffenen.

Dr. med. univ. Carola Deischinger ist PhD-Studentin an der Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel der Medizinischen Universität Wien, Gender Medicine Unit, und kurz vor dem Abschluss ihres BA in English and American Studies an der Universität Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Genderunterschiede bei Stoffwechselerkrankungen, Gestationsdiabetes und Hormontherapie bei Transgender.

Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Yvonne Winhofer-Stöckl, Dr. med. univ. Carola Deischinger
Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Yvonne Winhofer-Stöckl, Dr. med. univ. Carola Deischinger
(Bildnachweis: Wild + Team, Salzburg)

JATROS-Journalistenpreis 2019

Der mit 1.500 Euro dotierte und von Universimed unterstützte Journalistenpreis ging an Ernst Mauritz für den Artikel „Wie Familien mit Diabetes umgehen“. Der Preis wurde von Dr. Bartosz Chłap, MBA überreicht.

„Zunächst möchte ich mich ganz herzlich bei der ÖDG und der Jury bedanken, für diesen Preis ausgewählt worden zu sein! Als Journalist habe ich mitverfolgen können, wie in den vergangenen Jahren Diabetologinnen und Diabetologen immer wieder eindringlich – und teilweise mit drastischen Formulierungen wie ,Diabetes-Tsunami‘ oder ,Diabetes-Pandemie‘ – auf die Dramatik der Situation aufmerksam gemacht haben: auf die stark steigenden Neuerkrankungsraten, die Problematik später Diagnosen, den Ressourcenmangel im Gesundheitswesen bei der kontinuierlichen Betreuung von Diabetes-Patienten und auch auf den Mangel an unterstützenden Programmen zur Lebensstiländerung. Ich habe aber auch immer wieder gemerkt, wie gering das Bewusstsein in der Bevölkerung für das Thema ist – Stichwort: ,Ein bisschen Zucker wird schon nicht so schlimm sein.‘

Aber auch im Bereich des Typ-1-Diabetes habe ich immer wieder mitverfolgen können, wie schwierig die Situation für betroffene Familien sein kann, wenn es etwa im Kindergarten und in der Schule an Verständnis und Unterstützung fehlt und Vorurteile gegenüber Betroffenen vorhanden sind. 

Medien werden all diese Probleme nicht alleine lösen können. Mediale Berichterstattung über Diabetes, seine Ursachen und seine Folgen kann aber vielleicht ein wenig dazu beitragen, dass zumindest die oder der eine oder andere seinen Lebensstil überdenkt und auch rechtzeitig seine Blutzuckerwerte bestimmen lässt. Oder dass auch das Wissen über Typ-1-Diabetes steigt und Vorurteile damit abgebaut werden können. Mehr Verständnis, mehr Bewusstsein: Das sollte bei allen Diabetes-Formen die Zukunft sein!“

Ernst Mauritz

Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Yvonne Winhofer-Stöckl, Dr. Bartosz Chłap, MBA, Ernst Mauritz
Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Yvonne Winhofer-Stöckl, Dr. Bartosz Chłap, MBA, Ernst Mauritz
(Bildnachweis: Wild + Team, Salzburg)

„Gerti Reiss Schulungs Preis“ an „wir sind diabetes“

Der von Sanofi Österreich gestiftete Preis ging in diesem Jahr an „wir sind diabetes“ für die „Schulungsbox“, die Schulungsplattform für Menschen mit Diabetes, Mitglieder von Selbsthilfegruppen und deren Leiter. Überreicht wurde die Auszeichnung vom Zweiten Präsidenten des Salzburger Landtags, Sebastian Huber, und vom Leiter der Abteilung Innere Medizin am Landesklinikum Melk, Harald Stingl.

Die Dachorganisation der Diabetes-Selbsthilfe wird für eine vorbildliche Initiative im Bereich der Diabetesschulung und Kompetenzvermittlung ausgezeichnet. Das Preisgeld von 5.000 Euro dient dem Aufbau der Schulungsplattform auf www.wirsinddiabetes.at.

Zum Auftakt der Jahrestagung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) 2019 in Salzburg wurde bereits zum neunten Mal der mit 5.000 Euro dotierte „Gerti Reiss Schulungspreis“ vergeben.

Unterstützung für Dachorganisation

„Durch die neue digitale Schulungs- und Awarenessplattform hat ‚wir sind diabetes‘ eine enorme Reichweite und kann die Patientinnen und Patienten, die sich unter der neuen Dachorganisation zusammengeschlossen haben, mit gebündelter Kraft vertreten und Interessierte sowie Betroffene über die Grenzen der Selbsthilfeorganisationen hinaus informieren und schulen“, betonte Huber in seiner Rede.

Alle Preisträger 2019

Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Yvonne Winhofer-Stöckl, Dr. Bartosz Chłap, MBA, Ernst Mauritz
Alle Preisträger 2019
(Bildnachweis: Wild + Team, Salzburg)

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