Presse|Mitglieder|Archiv|Kontakt|

Nachruf auf O.UNIV.-PROF. DR. WERNER WALDHÄUSL (27.09.1937 – 22.5.2025) – Sein wissenschaftliches Leben für die Diabetologie

Nachruf auf O.UNIV.-PROF. DR. WERNER WALDHÄUSLProf.Werner Waldhäusl wurde 1937 in Deutschland geboren und wuchs im Kindesalter in Niederösterreich in der Nähe von St.Pölten auf.
Als Jugendlicher musste Prof.Waldhäusl einige Monate wegen einer Lungen-TBC in einer Tuberkulose Heilanstalt verbringen, bis er im Anschluss daran das Gymnasium abschloss und an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien das Medizinstudium absolvierte.
Nach einer klinischen Tätigkeit in einem Spital außerhalb Wiens kehrte er an die Universität Wien zurück und arbeitete zuerst wissenschaftlich am Institut für Experimentelle Pathologie und anschließend als Assistenzarzt in Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin an der I.Medizinischen Universitätsklinik unter Ordinarius Prof.Erwin Deutsch ab 1965.

Nach seiner Facharztausbildung verbrachte Prof.Waldhäusl im Rahmen eines wissenschaftlichen Auslandsaufenthaltes einige Zeit im Labor von Prof.Conn, dem Namensgeber des Conn-Syndroms, an der Universität von Michigan mit dem Forschungsschwerpunkt Hypertonie. Einige Jahre nach seiner Rückkehr nach Wien gründete er die Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie an der I.Medizinischen Universitätsklinik in Wien, welche er nach der Emeritierung von Prof.Erwin Deutsch ab 1987 leitete.
1992 wurde er zum Professor für Endokrinologie und Stoffwechsel an der Medizinischen Fakultät Wien berufen und leitete an der neu gegründeten Klinik für Innere Medizin III die Klinische Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel im neu errichteten Allgemeinen Wiener Krankenhaus.
Im Laufe seiner wissenschaftlichen Karriere wurden Prof.Waldhäusl zahlreiche renommierte Forschungspreise zuerkannt, darunter der Claude Bernard Preis der Europäischen Diabetesgesellschaft EASD, die Paul Langhans Medaille der Deutschen Diabetesgesellschaft und die Von Mering Goldmedaille des Deutschen Diabeteszentrums (DDZ).
Waldhäusl hatte auch die Funktion des Präsidenten und Ehrenmitglieds von einigen wissenschaftlichen Gesellschaften inne, so unter anderem die Vizepräsidentschaft der European Association for the Study of Diabetes (EASD) von 1983 bis 1984 und die Funktion des Chef-Herausgebers des Europäischen Wissenschaftsjournals „Diabetologia“ von 1998 bis 2003.
Prof.Waldhäusl emeritierte einige Jahre nach der Jahrtausendwende und war in weiterer Folge noch als Vizerektor für Wissenschaft und Forschung an der Veterinärmedizinischen Universität Wien tätig.
Bis etwa knapp 2 Jahre vor seinem Ableben betreute Prof.Waldhäusl noch Patient:innen in seiner Privatordination, verfasste wissenschaftliche Publikationen und nahm regelmäßig an den Jahreskongressen, vor allem der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin, welcher er auch als Präsident einige Zeit vorstand, und der Österreichischen Diabetesgesellschaft teil.
Mit der Österreichischen Diabetesgesellschaft war Prof.Waldhäusl seit deren Gründung 1969 eng verbunden. Die erste Tagung der ÖDG fand 1970 in Innsbruck unter dem Vorsitz des 1.Präsidenten Prof.Erwin Deutsch statt. Ende der 70-iger und Anfang der 80-iger Jahre wurde die vor allem der ärztlichen Fortbildung dienende Frühjahrstagung der ÖDG erstmals aus der Taufe gehoben.
Von 1972 bis 1981 hatte Prof.Waldhäusl die Funktion des 1.Sekretärs der Österreichischen Diabetesgesellschaft unter dem Präsidenten Prof.Dr.Beringer inne. Dieses Führungsduo wurde 1982 bis 1983 durch den Präsidenten Prof.Dr.Georg Geyer und seinen ersten Sekretär Doz.Dr.Guntram Schernthaner abgelöst.
Prof.Waldhäusl hatte später gemeinsam mit seinem 1.Sekretär Doz.Dr.Paul Bratusch-Marrain von 1986 bis 1987 die ÖDG Präsidentschaft inne.
Als internationale Highlights organisierte Prof.Waldhäusl 1979 den Kongress der Internationalen Diabetes Föderation in Wien (IDF), sowie gemeinsam mit der Deutschen und Schweizer Diabetesgesellschaft die 32.Jahrestagung der EASD in Basel.

Sein wissenschaftliches Erbe ist vor allem repräsentiert durch umfangreiche pathophysiologische Studien zur Genese des Diabetes mellitus Typ 2, wobei dabei die Erforschung der Insulinresistenz, der Insulinsekretionsmechanismen und der Rolle der Leber besonderes Augenmerk gewidmet wurde. In diesem Kontext wurden zahlreiche Medikamentenstudien im humanen System, aber auch zahlreiche experimentelle Forschungsergebnisse in vivo im Tiermodell und in vitro erarbeitet und publiziert.
Klinisch stand in den früheren Jahren die optimale Behandlung des diabetischen Komas mit adaptierten Flüssigkeitslösungen im Fokus und ab den 80-iger Jahren des letzten Jahrhunderts die Etablierung der „Funktionellen Insulintherapie“ (Basis-Bolus Therapie) bei Menschen mit Typ 1 Diabetes, wobei Frau Professorin Kinga Hovorka hier besondere Pionierarbeit an der 1.Medizinischen Abteilung geleistet hatte.
Parallel dazu wurden auch Themenfelder der Endokrinologie beforscht, wobei hier die Analyse der Steroid-Biochemie und eine der ersten Beschreibungen der Wirkung von Endothelin anzuführen sind.

Bezüglich seiner wissenschaftlichen und klinischen Schüler sind folgende Namen zu nennen, welche auch in der ÖDG maßgebliche Funktionen bis hin zur Präsidentschaft inne hatten: Doz.Dr.Paul Bratusch-Marrain, Prof.Dr.Michael Roden, Herr Prof.Dr.Thomas Stulnig und meine Person als Verfasser dieses Nachrufs. Anzuführen ist in diesem Kontext auch der Ordinarius für Labormedizin der Medizinischen Universität Wien, Herr Prof.Dr.Oswald Wagner, der seine klinische Karriere ebenfalls als junger Assistenzarzt bei Prof.Waldhäusl 1988 begonnen hatte.
Prof.Dr.Rudolf Prager und Prof.Dr.Anton Luger hatten ihre wissenschaftliche und klinische Laufbahn an der 2.Meidzinischen Universitätsklinik Wien unter Prof.Dr.Georg Geyer absolviert und sind erst nach der Klinikzusammenlegung im Jahre 1993 zu Mitarbeitern von Prof.Waldhäusl geworden.
Die damals junge Garde der II.Medizinischen Universitätsklinik, die ebenfalls an die Klinische Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel der Universitätsklinik III kamen, waren Prof.Dr.Alexandra Kautzky-Willer, Prof.Dr.Martin Clodi und Frau Prof.Dr.Michaela Riedl.

Prof.Dr.Werner Waldhäusl ist am 22.5.2025 im 88.Lebensjahr nach längerem Leiden als Folge eines Sturzes im Kreise seiner Familie aus dem Leben geschieden. Er hinterlässt seine Frau Marianne, sowie seine Söhne Martin und Christoph, seinen Bruder Peter und ihre Familien.

Der österreichischen Diabetologie hinterlässt er ein großartiges über viele Jahrzehnte erarbeitetes wissenschaftliches Oeuvre, welches wesentlich zur hohen internationalen Reputation der österreichischen Diabetologie beigetragen hat.

Jene Kolleginnen und Kollegen, die unmittelbar mit ihm zusammengearbeitet haben, schätzten vor allem seinen Fleiß, seine unbeirrbare Konsequenz beim Verfolgen gesteckter Ziele und auch das stete Bemühen, den Menschen in der Rolle des Patienten bzw. der Patientin besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

In diesem Sinne darf ich mich auch persönlich bei Prof.Dr.Werner Waldhäusl bedanken, der in meinem klinischen und wissenschaftlichen Leben als junger Arzt eine prägende Rolle eingenommen hat und dem ich über fast 30 Jahre nach meinem Abschied von der Universitätsklinik bis zu dessem Ableben in freundschaftlich-kollegialer Weise verbunden blieb.

Prim.Univ.Prof.Dr.Peter Fasching

 

Mitglieder-Bereich

Bewegungsbox

die bewegungsbox

Ernährungsbox

die ernährungsbox

Face Diabetes

fb

Therapie Aktiv

www.therapie-aktiv.at

Adipositas Netzwerk

www.adipositasnetzwerk.at

World Diabetes Day

wdd

Insulin for Life

ifl

Kooperationspartner

ÖAG - Österreichische Adipositas Gesellschaft
Diabetes Initiative Österreich

Young Diabetologists Instagram
Young Diabetologists Spotify
Young Diabetologists Apple Podcast
Young Diabetologists Captivate